Bautipps & Ideen
EIN ECHTER LEGO® BAUMEISTER: STEVE GERLING!
Stephen Gerling ist Modelldesigner in der LEGO Modellwerkstatt in Enfield, Conneticut, USA.

Seit 11 Jahren ist er jetzt bei der LEGO Company. Was kaum zu glauben ist: Steve kam als Holzschnitzer zu LEGO und hatte bis dahin noch nie einen LEGO Stein in der Hand gehabt. Hier ist Steve!

Hallo Steve! Erzähl uns doch etwas von deiner Arbeit bei der LEGO Company.
Wir sind hier zu dritt. Wir entwerfen nicht die Sets, die man in den Geschäften kauft. Unsere Modelle bestehen zwar auch aus den gleichen Steinen, die man mit den Sets bekommt, nur stehen uns hier im wahrsten Sinne des Wortes Millionen von Steinen zur Verfügung.

Wir sind hier zu dritt. Wir entwerfen nicht die Sets, die man in den Geschäften kauft. Unsere Modelle bestehen zwar auch aus den gleichen Steinen, die man mit den Sets bekommt, nur stehen uns hier im wahrsten Sinne des Wortes Millionen von Steinen zur Verfügung.

Was hast du gemacht, bevor du bei der LEGO Company angefangen hast?
Ich habe einen Bachelor in bildender Kunst mit dem Hauptfach Bildhauerei an der University of Connecticut gemacht. Bevor ich hierher gekommen bin, habe ich 10 oder 15 Jahre als Holzschnitzer gearbeitet.

Wie bist du zu deinem aufregenden Job bei LEGO gekommen?
Ich war auf der Suche nach einer Arbeit mit geregelter Bezahlung und fand glücklicherweise in einer Zeitung eine Stellenanzeige für einen LEGO Modelldesigner. Das war eines der seltenen Male, bei denen die LEGO Company außerhalb des Unternehmens inserierte. Der Job war auch schon vergeben, als ich mich bewarb, aber ich kam einen Monat lang jede Woche wieder – bis man mich schließlich anrief und mich fragte, ob ich mich für eine vorübergehende Stelle als Zimmerer in der Abteilung für Ausstellungen interessieren würde. Natürlich sagte ich zu, denn so hatte ich schon mal den Fuß in der Tür. Dann bekam ich die Gelegenheit, dem Verantwortlichen der Modellabteilung meine Arbeiten zu zeigen.

Damals hatten nur wenige der Modelldesigner eine fundierte künstlerische Ausbildung, deshalb suchten sie jemanden, der menschliche Figuren und Tiere realistisch darstellen konnte. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

(Mein kleines Geheimnis damals: Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie mit LEGO gespielt!)

Seitdem hattest du ja sicher viel Gelegenheit zum Üben! Wie gehst du vor, wenn du eine große LEGO Skulptur baust?
Erst legen wir fest, was der „Kunde“ genau sucht, welchen Zweck die Skulptur erfüllen soll. Das könnte z. B. ein lebensgroßer Superheld für die Einführung eines neuen Produkts sein, oder die Nachbildung einer Kinderklinik für einen wohltätigen Zweck, oder ein Geländewagen in Originalgröße für eine bestimmte Werbung. Anschließend fertige ich für gewöhnlich viele Skizzen an. Die Skizzen sind für mich ein ganz wichtiges „Werkzeug“ bei allen kreativen Prozessen.

Nachdem ich eine Idee skizziert habe, benutzen wir für den eigentlichen Entwurf des Modells virtuelle Werkzeuge am Computer. Wenn wir Details noch genauer gestalten möchten, arbeiten wir aber auch auf traditionelle Weise, also „von Hand“. Bis jetzt haben wir zu dieser Methode noch keine annehmbare Alternative gefunden; wenn man zum Beispiel eine lebensechte menschliche Büste erschaffen will, muss eben alles noch von Hand gearbeitet werden.

Sobald mein erstes Design fertig ist, präsentiere ich den realen oder virtuellen Prototyp meinen Kollegen, die ihre Meinungen dazu abgeben. Es ist wichtig zu wissen, dass diese „Meinungen“ (klingt für die meisten irgendwie schöner als das Wort „Kritik“) positiv zu verstehen sind und für jeden kreativen Prozess unbedingt notwendig sind. Oft sehen die Augen der Anderen ganz einfache Dinge, die man selbst übersehen hat. Das führt dann am Ende zu einem besseren Modell.

Nachdem die Kritikpunkte besprochen und die Änderungen vorgenommen wurden, wird normalerweise ein stützendes Stahlgerüst für das Innere des Modells angefertigt. Die Modelle sind zwar verleimt, aber sie müssen eine Menge aushalten, deshalb sorgen wir mit dem Stahlgerüst für noch mehr Stabilität. Am Ende muss das Design nur noch kopiert und anschließend alles verleimt werden. Wichtig ist, das Modell stabil und sauber zu bauen, ohne, dass es zu schwer wird oder schlampig verarbeitet ist. Dann wird es nur noch an seinen Bestimmungsort geschickt und wir lehnen uns zurück und genießen die erstaunten Gesichter der Betrachter.

Was machst du in deiner Freizeit? Hast du irgendwelche Hobbys?
Ich halte mich sehr gerne draußen in der Natur auf, beim Fischen und Wandern, ich mache Rucksacktouren usw. Außerdem lese ich ziemlich viel, meistens historische Romane oder (seltsamerweise) Referenzmaterial, also z. B. Bücher über Holzverarbeitung. Wenn keiner da ist, der zuhört, spiele ich auch gerne Gitarre.

Baust du auch außerhalb der Arbeit?
Wenn ich zu Hause bin, beschäftige ich mich hauptsächlich mit meiner zweiten Leidenschaft, der Holzschnitzerei. Während der Arbeit habe ich immer viel Zeit, um mit LEGO Steinen kreativ zu sein, deshalb ist die Beschäftigung zu Hause mit Holz für mich eine willkommene Abwechslung.

Baust du mit deiner Familie LEGO?
Ja, meine Frau und ich spielen zu Hause auch manchmal mit LEGO. Wir wohnen in einem älteren Haus, an dem ich im Laufe der Jahre viele Dinge renoviert habe. Es gibt viele versteckte „LEGO Baustellen“ bei uns – und auch ein paar, die nicht so versteckt sind!

Das würden wir ja gerne sehen! Was macht jemanden aus deiner Sicht zu einem LEGO Baumeister?
Die größte Leidenschaft eines Baumeisters sollte es sein, großartige LEGO Modelle kreieren zu wollen. Es genügt nicht nur das zu bauen, was in einem Set steckt. Ein echter Baumeister hat eine Idee und fragt sich „Wie kann ich dieses großartige Ding aus LEGO Steinen bauen?“, und gibt sich nicht zufrieden, bis es geschafft ist!

Was war dein erstes großes Projekt in der LEGO Modellwerkstatt?
Mein erstes großes Projekt war eine lebensechte Nachbildung eines älteren Touristen, der auf einer Parkbank im LEGO Imagination Center in Disney World, Florida eingeschlafen war. Die Besucher konnten sich neben ihn auf die Bank setzen und Fotos mit ihm machen. Der Witz dabei war, dass ich ihn nach der Vorlage des Präsidenten unseres Unternehmens modelliert hatte und er genau wie er aussah. Natürlich habe ich mich davor vergewissert, dass er den Spaß auch versteht!

Wie sieht es mit deinem derzeitigen Projekt aus?
Ich bin gerade dabei, eine lebensgroße Indiana Jones™ Skulptur zur Feier unserer neuen Reihe fertig zu stellen.

Hast Du ein Lieblings-LEGO Projekt?
Zwei von uns hier haben ungefähr vier Jahre an einem Projekt mitgearbeitet, bei dem die Stadt Manchester in New Hampshire mit seiner baumwollverarbeitenden Industrie um das Jahr 1900 nachgebaut wurde. Viele LEGO Begeisterte aus unserem großen Club und hunderte von Freiwilligen halfen beim Design und beim Aufbau der Stadt mit, die im Maßstab für Mini-Figuren gebaut wurde. Sie ist auf einer Fläche von ca. 6,5 x 29 Metern in einem Wissenschaftsmuseum ausgestellt, das in einem alten Fabrikgebäude untergebracht ist. Dieses Projekt ist mein ganzer Stolz und hat mir persönlich – während der 11 Jahre, die ich hier schon arbeite – wohl am meisten zurückgegeben.

Was war das Lustigste, das du je bei einem Modell mit eingebaut hast?
Wann immer wir können, bauen wir gerne kleine Witze in unsere Modelle mit ein. Eine meiner lustigsten Erinnerungen: Wir hatten ein LEGO Extreme Sports Diorama gebaut und eine kleine Stelle an der Plexiglas-Abdeckung erhitzt. Auf diese Stelle haben wir eine Mini-Figur geklebt, die auf einem Snowboard stand… Es sah dann so aus, als wäre der Snowboarder über den Kicker direkt an die Scheibe gesprungen und dort „kleben“ geblieben. Das sind Kleinigkeiten, aber diese Dinge lassen das „Spaß-o-Meter“ hier in der Werkstatt voll ausschlagen!

Was ist das Geheimrezept für tolle LEGO Modelle?
Wir müssen uns an das oft knappe Budget halten, aber mit so etwas hat ja jeder zu kämpfen, der großartige LEGO Modelle kreiert. Es gibt immer irgendwelche Einschränkungen. Deshalb fragen wir uns vor jedem Projekt: „Wie kann ich mit dem, was mir zur Verfügung steht, das beste und coolste Modell bauen?“, ganz gleich ob ich nun durch mein Budget eingeschränkt bin, oder durch die Zahl der Steine, die ich besitze, oder etwas anderes.

Hast Du einen Tipp, wie man LEGO Baumeister wird?
Ja, zwei Dinge. Zum einen sage ich den Leuten, sie sollen ZEICHNEN! Beim Zeichnen lernt man, Ideen mit Hilfe seiner Hände darzustellen. Das gilt für das Arbeiten mit Stein, Holz, Ton oder auch mit LEGO Steinen. Es ist eine Grundvoraussetzung für jeden kreativen Prozess. Zum anderen, und das ist sogar noch wichtiger, sagt niemals: „Das kann ich unmöglich mit LEGO Steinen bauen.“ Wenn ihr das sagt, habt ihr Recht – dann ist es gelaufen, denn ihr werdet es wirklich nicht schaffen. Bei uns in der Werkstatt ist es noch nie vorgekommen, dass jemand gesagt hat: „Das können wir unmöglich mit LEGO Steinen bauen“, und bis jetzt gab es nichts, was wir nicht bauen konnten.

Möchtest du den LEGO Club Mitgliedern da draußen noch etwas sagen?
Baut! Kreiert! Baut, was in der Packung ist; dann nehmt es auseinander, werft die Packung und die Bauanleitung in die Ecke, nehmt eure restlichen Steine mit dazu und erschafft etwas Neues.

Danke, Steve! Was hast du dir für dein nächstes großes LEGO Bauprojekt vorgenommen?
Das weiß ich noch nicht! Oh, Moment… mein Telefon klingelt…!

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